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Geschichten

Lebenswege nach dem Berufsleben

Sechs Menschen erzählen in eigenen Worten, was ihnen Angst gemacht hat, was sich verändert hat und was ihnen heute Halt gibt.

Portrait of a German man of sixty-six with a gray mustache in a blue work jacket

Hartmut Eschenbach, 66

früher Werksleiter im Maschinenbau

Über die Angst vor Veränderung

„Am ersten Montag ohne Termin saß ich um halb sieben angezogen in der Küche und wusste nicht wohin.“

Dreißig Jahre lang habe ich Schichtpläne geschrieben und Verantwortung getragen. Plötzlich gab es niemanden, der etwas von mir wollte. Ich habe mir zuerst vorgenommen, den Keller aufzuräumen, und war nach zwei Tagen fertig. Erst als ich ehrlich gesagt habe, dass mir die Veränderung Angst macht, kam Bewegung hinein. Heute begleite ich als Mentor Auszubildende in einer Lehrwerkstatt. Das gibt meiner Woche ein Gerüst.

Portrait of a German woman in her mid sixties with a gray bob and a green cardigan

Gisela Rotenburg, 64

ehemalige Grundschulrektorin

Über Einsamkeit und Familie

„Ich hatte jahrelang dreihundert Kinder um mich und plötzlich nur noch den Kühlschrank, der brummt.“

Meine Kollegen waren meine Familie, und das habe ich erst gemerkt, als sie fehlten. Meine Kinder wohnen weit weg, und ich wollte ihnen nicht zur Last fallen. Ich habe dann angefangen, wöchentlich in einer Nachbarschaftsrunde zu kochen. Zuerst vier Leute, jetzt zwölf. Und ich rufe meine Tochter an, nicht aus Pflicht, sondern weil ich ihr wirklich zuhören möchte. Unsere Gespräche sind tiefer geworden.

Portrait of a German man of sixty-eight with white hair in a harbor setting

Dieter Marquardt, 68

ehemaliger Hafenlotse

Über neue Hobbys

„Mit dem Ton in den Händen habe ich zum ersten Mal wieder gespürt, dass ich etwas erschaffe.“

Mein Leben lang habe ich Schiffe sicher durch enge Fahrwasser geführt. Nach dem Abschied fehlte mir die Konzentration, dieses Wachsein. Meine Frau hat mich zu einem Töpferkurs überredet, ich war skeptisch. Die ersten Schalen waren schief, ich war trotzdem stolz. Inzwischen sitze ich zweimal die Woche in der Werkstatt des Kulturvereins. Man muss nicht gut sein, um etwas Schönes zu tun.

Portrait of a German woman in her sixties with short hair and a light blue blouse

Brigitte Sonnleitner, 63

frühere Chefärztin

Über Gesundheit und Selbstfürsorge

„Ich habe jahrzehntelang für die Gesundheit anderer gesorgt und meine eigene vergessen.“

Als der Druck wegfiel, kamen die Beschwerden, die ich lange überhört hatte: Schlafprobleme, Rückenschmerzen, innere Unruhe. Ich musste lernen, mir selbst eine gute Ärztin zu sein. Das heißt bei mir: täglich spazieren, regelmäßig essen, einmal pro Woche Qigong. Und ich habe mir Hilfe geholt, ohne mich zu schämen. Das war der schwerste und wichtigste Schritt.

Portrait of a German man of sixty-seven with glasses and a checkered shirt at a desk

Ulrich Teschner, 67

früher Filialdirektor einer Sparkasse

Über finanzielle Sorgen

„Ausgerechnet ich, der anderen die Altersvorsorge erklärt hat, lag nachts wach und rechnete.“

Ich wusste, dass ich gut vorgesorgt hatte, und trotzdem fühlte sich jede größere Ausgabe nach Risiko an. Nicht die Zahlen waren das Problem, sondern das Gefühl, keinen festen Gehaltseingang mehr zu haben. Geholfen hat mir ein klarer Monatsrahmen und das Gespräch mit einer unabhängigen Beratungsstelle. Seitdem schlafe ich ruhiger und gönne mir ab und zu etwas Schönes.

Portrait of a German woman of sixty-five with curly gray hair and a burgundy shawl

Marianne Obermeyer, 65

ehemalige Kammersängerin

Über die Suche nach Sinn

„Ich habe gelernt, dass man nicht auf der Bühne stehen muss, um gehört zu werden.“

Nach meinem letzten Auftritt wollte ich nie wieder singen. Es tat zu weh. Ein Jahr später hat mich eine Nachbarin gefragt, ob ich ihren Chor leiten würde. Wir singen heute im Gemeindehaus, die Stimmen sind nicht perfekt und genau darum so berührend. Der Sinn kam nicht durch Nachdenken, sondern durch Tun und durch Menschen, die mich brauchten.

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